15 glauben, ſei ein paſſenderes Geſchaͤft fuͤr den Diener Eurer Majeſtaͤt. Jetzt erſt, nachdem ich den jungen“ Mann bewäͤhrt gefunden, erſt ſeitdem ich ihn zu die⸗ ſem ſchriftlichen Aufſatz ermuthigt und von ſeiner klaren Darſtellung auf die Wahrheit ſeiner Ueberzeugungen zu ſchließen Urſache fand, erſt ſeitdem habe ich geglaubt, koͤnne ſeine Perſon ein Recht zur Beruͤckſichtigung Eu⸗ rer Majeſtaͤt finden.“
Die Kaiſerin hoͤrte mit leiſem Nicken des Kopfes der ſicheren Entgegnung ihres Miniſters zu. Ihr eignes gro⸗ ßes Herz war bis auf den Grund von dem vorherrſchen⸗ den deutſchen Nationalzuge, von Wahrheit und Offen⸗ heit, durchdrungen, und wo ſie ihn bei ihren Umgebun⸗ gen ohne Anmaßung und Rohheit hervortreten fand, hatte er ſich ihrer Nachſicht, ja ihres Beifalls zu er⸗ freuen. Die hohe Achtung, die Kaunitz ihr dabei mit vollem Rechte einfloͤßte, die oft erlebte Ueberzeugung von dem Werthe ſeiner Rathſchlaͤge und Beſchluͤſſe, ſelbſt wenn ſie dieſelben anfaͤnglich nicht einſehen konnte, ließ ſie, faſt immer ſchon mit der Hoffnung, ihm bei⸗ treten zu koͤnnen, auf ſeine Vertheidigungen horchen, und gerade fuͤr ihn ſchien ſie ſich dies verrätheriſche Nicken mit dem Kopfe angewoͤhnt zu haben, worin der Graf ſeine Anerkennung erkannte, noch ehe ſie die Lip⸗ pen oͤffnete.


