Augenblicklich willigte Leonin in dieſen Plan, der ihm eine ſuße Hoffnung gab, die Bruder vereinigt zu erzie⸗ hen, vielleicht Freunde aus ihnen werden zu ſehen. „Dies hoffnungsvolle Kind,“ ſprach Fenelon—„hat Viktorine mit dem Wunſche erfullt, beide Knaben mit einander verbunden zu ſehen, da Ludwig, ihr Sohn, von zarterer Natur und von geringeren Faͤhigkeiten iſt.“
Dieſe Nachricht war der erſte Troſt fuͤr Leonin'
darbendes Herz, und er kehrte mit ſo verändertem Weſen zu Viktorinen zuruck, daß dieſe ſich tief geruͤhrt fuͤhlte,
da ſie es dem Vergnuͤgen glaubte zurechnen zu muͤſſen⸗
mit welchem Leonin ihren Plan fur die Erziehung ir Sohnes auffaßte und mit ihr die Ausfuͤhrung deffel ben verabredete.„Gottlob, er liebt ſein Kind noch!“ rief ſie in Thraͤnen der Freude, als ſie allein war; „dies Gefuͤhl wird die Bruͤcke werden, die über die Tire zwiſchen uns aufſteigen und ſie verdecken muß!“ Auch gab es außerdem Familienfeſte, denen Leonin
ſich aicht entziehen konnte. Louiſe de Crecy ſollte jetzt
mit dem Marquis d'Anville, der den Feldzug itge⸗ macht und nach dem Frieden zu ſeiner Familie zuruck⸗
gekehrt war, vermaͤhlt werden. Das Gluͤck, das ihrer
wartete, ſchloß Louiſe nur noch inniger an ihren Bruder
Sie konnte es nicht faſſen, warum ihr ſonſt heiterer,
immer mit ihr ſcherzender Leonin ſo finſter und ernſt Ste. Roche. I 29


