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ſen, daß vor ihm Fennimor's Sohn ſteht! Fenelon ſtreckt dem Erwarteten, uͤber den Knaben hinweg, die Hand entgegen. Auch dieſer hoͤrt den Eintretenden; er blickt zu ſeinem Lehrer auf, dann wendet er raſch den Kopf, ſieht den Fremden und iſt mit einem Satze von dem Baͤnkchen geſprungen. Außer ſich, aber ſtumm vor Bewegung, ſteht Leonin vor ſeinem Sohne! Er. wagt nicht, ihn an ſein Herz zu druͤcken; die maaß⸗ loſe Wonne, die ihn bei ſeinem Anblicke durchſtrömt, iſt zugleich der wahnſinnigſte Schmerz. Es ſind Fen⸗ nimor's tiefblaue Augen, das zarte Oval mit dem ſuß gerundeten Kinne; dieſer volle, lächelnde, bluͤhende Mund mit den kleinen, weißen Zähnen, dieſer Aus⸗ druck zwiſchen Ernſt und Schelmerei, dieſer bezaubernd warme Farbenglanz!
So ſah er ihr Antlitz, als ſie noch auf der Grenze der Kindheit ihm zuerſt entgegen trat! Der Knabe trug ein offenes Hemd, das uͤber Schultern und Bruſt aufgeſchlagen war wegen der Waͤrme des Tages und beſonders anmuthig zu einem Pagenkleide von blaß⸗ blauer Seide paßte. So wie er ſeinen Satz gemacht hatte, griff er nach ſeinem Barett und machte dann eine der kleinen, zierlichen Verbeugungen, die kein Tanzmei⸗ ſter und Erzieher lehrt und die nur aus der Schoͤnheit des Koͤrpers— aus dem befiederten Geiſt eines Kin⸗


