Teil eines Werkes 
2. Theil (1843)
Entstehung
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ſtimmen oder lenken zu wollen und nur, wie von dem Gegenſtande gezwungen, die Dinge vorzutragen ſcheint. Der König glaubte durchaus ſeine Anſicht hieruͤber dem Hofe entzogen und ſeiner Willkur uͤberlaſſen, wäh⸗ rend ſchon Alle ſicher waren, Leonin werde ſich eines gnädigen Empfanges zu erfreuen haben. Doch taͤuſchte Ludwig, erfindungsreich in Nuͤancen des Ceremoniels, welches immer mehr zur karrikaturartigen Uebertreibung ausartete, auch hier ſeine Höflinge. Zwar durfte Leonin die geweihte Schwelle des königlichen Audienzzimmers betreten und in die Reihen der gleichberechtigten Ca⸗ valiere treten; aber der Koͤnig ſchien ihn dennoch nicht zu ſehen, obwohl er bei ſeinen verhaͤngnißvollen Wan⸗ derungen ihn ſehen mußte. Als er jedoch an dem Mar⸗ ſchalle von Louxembourg voruber ſchritt und deſſen beſon⸗ ders bekummerte Miene ſah, rief er:Ah, Marſchall, wir ſollten den Retter Ihres Lebens kennen lernen! Leonin beugte das Knie; der Koͤnig betrachtete ihn einen Augenblick ſtumm, dann hieß er ihn auf⸗ ſtehen und jetzt ſprach er zu ihm, wie zu einem voͤllig fremden, nie geſehenen Manne; und indem er ſeine Handlungsweiſe lobte, verrieth doch nicht die kleinſte Aeußerung, daß er ihn je fruher geſehen habe. So demuͤthigend dies war, mußte Leonin es doch fur eine Gnade anſehen; auch erhielt der Herzog fuͤr ihn ohne