töne uͤberhoͤrend, um ein verderbliches Verſtummen zu verhuͤten, was ſelbſt die Hoffnung der Ausgleichung aufhebt.
Deſſen ungeachtet mußte ſie bald erkennen, daß ſie nur auf eine ſpätere Zukunft zu hoffen habe und ihre Rechte nur bewahren koͤnne, wenn ſie jetzt ihre Kraͤnkung uͤberſehe, Streit oder Rechenſchaft daruͤber ablehne. Vielleicht hatte an dieſer Stellung, die ſie nahm, nicht ihr richtig berechnender Verſtand allein Antheil; ein tiefes Grauen vor der Aufklärung der geheimen Geſchichte ihres Gemahls hielt nicht minder ihr ganzes Weſen inſtinktartig in abwehrender Ma⸗ ßigung.
Ob Leonin den ganzen Werth dieſes Verfahrens erkannte, wäre ſchwer zu beſtimmen; doch ſuchte er die Nähe ſeiner Gemahlin auf, freilich, um auch bei ihr wieder in ſein duſteres Nachdenken zu verfallen, das jeden Zug ſeines Geſichtes beſchattet hatte und ihn kaum kenntlich ſein ließ. Beſonders trat dies hervor, wenn ihm ſein Kind gebracht wurde, und er genöthigt war, es zu betrachten. Viktorine entſagte bald auch dieſem Gluckez denn ein faſt auffallender Schmerz er⸗ ſchuͤtterte ihn dann und erregte die Beobachtung der Warterinnen; muthig erdruckte ſie die bangen Ahnun⸗ gen ihrer Bruſt und hielt ihr Kind von da an entfernt.


