Teil eines Werkes 
2. Theil (1843)
Entstehung
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ges enthoben, ſich ihres Zuſtandes bewußt zu werden. Es giebt Menſchen, deren edle Natur ſich uberall gleich bleibt; ſie behalten eine Decenz des Ausdruckes ſelbſt in ihrer tiefſten Aufregung, die ihren einfamen Stunden ein Maaß verleiht, durch das ſie vor ſich ſelbſt geſichert bleiben. Dies war bei Viktorinen der Fall. Sie war ſich eine Achtung gebietende Geſellſchaft die Ver⸗ traute, von der wir wiſſen, nicht mißverſtanden zu werden, und deren Billigung wir uns doch zu chaue wuͤnſchen, da ſie uns ſchwerer zu erreichen ſcheint, als der Beifall der Welt.

Sie knieete nieder und beugte ſich uͤber das ſuͤß ſchlafende Kind. Schwere Seufzer deuteten es an, daß ein lang bezwungener Zuſtand ſich Luft ſchaffte; dann weinte ſie lange und ſchmerzlich, und endlich wurden ihre Empfindungen Gebete. Als ſie aufſtand, ſagte ſie:Weiſe Freundin, ich habe Dich verſtanden! Du haſt mein Schickſal geahnet; ich werde Dir folgen. Ein Weib iſt an ſich etwas Göttliches und Großes; ich habe einen Heerd! Ich habe ein Kind! Beides werde ich huͤten zur Ehre Gottes und der Menſchen; und kömmt er ermuͤdet zuruͤck und ſucht verſchmachtend den verlaſſenen Heerd, dann finde er mein Symbol: Milde und Verzeihung!

Als ſie ihre Frauen rief, war jedes Wort ſanft