Das Palais Soubiſe, welches ſo als Eigenthum der Marſchallin genannt ward, glänzte in der vollen Pracht aller ariſtokratiſchen Vorrechte, welche dieſe ſo wohl zu erhalten und hervor zu heben wußte; ein Talent, das ſie zu der ausgezeichnetſten Perſon des Hofes und Adels erhob und ihren Anſichten und Entſcheidungen die Huldigung der Untruͤglichkeit ver⸗ ſchaffte.
Sie war das vollkommenſte Muſter der unzähli⸗ gen Abſtufungen der Etikette, die einer Frau von Stande damals ſo hoch angerechnet wurden; und wer ſie beobachtete, konnte nie uͤber den Rang der Perſo⸗ n in Zweifel ſein, die ſich ihr nahten.
Nie verwechſelte ſie eine Anrede oder Erwiede⸗ rung mit der anderen, und die Kuͤrze oder Länge der⸗ ſelben, der leiſere oder ſtärkere Ton ihrer Stimme, ob ſie dem Gegenſtande gerade gegenuͤber oder ſeit⸗ waͤrts gewendet blieb, mit halbem oder ganzem Blicke begegnete, das waren Nuancen einer damals hochge⸗ ſchaͤtzten Feinheit und ein ſicheres Zeichen uͤber die Anſpruͤche der Perſonen. Die Marſchallin war uͤber funfzig Jahr alt und eine konſervirte Frau. Das gleichmaͤßige Embonpoint ihrer Geſtalt gab dem Teint ohne kuͤnſtliche Mittel eine große Friſche, die beſon⸗ ders Perſonen von röthlichem Haare lange behaupten.


