Teil eines Werkes 
1. Theil (1843)
Entstehung
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Boten angekommen war, der Tag und Nacht den

Weg gemacht hatte.

Es durchzuckte Leonin, als er, den Lichtern näher tretend, durch wenige Zeilen des Marquis de Souvré von dem tödtlichen Erkranken ſeines Vaters benach⸗ richtigt ward, und dem Begehren deſſelben, ſeinen Sohn noch einmal zu ſehen. 4

Er erhob den Blick von dem verhängnißvollen Blatte zu Fennimor empor, die ihn geſpannt beobach⸗ tend noch an derſelben Stelle ſaß; er wollte noch ein Mal den Eindruck zurückrufen, dem er ſich einen Moment früher ſo ganz hingegeben fühlte, aber ſchon hatte der Ausdruck ſeiner Züge, die ſie ſo ſcharf beob⸗ achtet hatte, von ihrem Geſichte jene poetiſche Ver⸗ klärung verwiſcht, die nur eben in dem Zurücktreten unſerer eigenen Exiſtenz Raum findet. Ahnungsvoll blickte ſie ihn an, und er fand keine Worte; ſtumm reichte er ihr den Brief, deſſen Inhalt, in wenigen Worten beſtehend, ſie eben ſo ſchnell überflogen hatte. Fennimor erblaßte wie der Tod, und einen Augenblick ſchien der ungeheure Schmerz ihre Geſtalt mit Erſtar⸗ rung zu berühren. Leonin wagte nicht, ſie länger an⸗ zublicken; gebeugt ſtand er, an das Pult ſich lehnend. Da hörte er, wie ſie aufſtand; bald ſah er ſie vor ſich ſtehen.

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