Teil eines Werkes 
1. Theil (1843)
Entstehung
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Leonin, ſagte ſie leiſe, aber feſt und innig,

das iſt Gottes Gebot! Dein Vater ruft Dich!

Du muft fort ſchnell reiſen! O, eile, eile, damit er Dir ſeinen Segen giebt, Du nicht, wie ich, die ſtumme, kalte Leiche findeſt!

Fennimor, heil'ger Engel, Du ſendeſt mich ſelbſt von Dir, Du willſt mir das Allzuſchwere mit Deiner frommen Kraft erleichtern!

Ja, Leonin, das will ich, und Dich rüſten helfen, damit Du ſchnell Deinen Weg antreten kannſt, und will ſtandhaft ſein und Dich nicht entkräften durch meinen Weiberſchmerz, damit Du ein Mann bleibſt, ein Held, wie Cid das hätte Kimene auch gethan.

Ha, rief Leonin und drückte ſie an ſeine Bruſt Corneille, welch' ein Lorbeer ſproßt heute um Deine Stirn! Das iſt Dichterberuf, die Begeiſterung hervorzurufen, die das empfängliche Gemüth Dir nach⸗ fliegen macht und dem Leben de Charakter der Er⸗ habenheit aufdrängt, mit dem Du es erfüllt haſt!

Sie ſah ihn fragend an ſie wußte es nicht, daß es ſo war aber, als ſie an ihm vorüber aus dem Zimmer ſchwebte, die Worte zu verwirklichen, war in ihrer Geſtalt eine Sicherheit und Ruhe, eine Er⸗ habenheit, als ſchwebe der Goldreif Timenen's um ihr jugendliches Haupt.