Teil eines Werkes 
1. Theil (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

383

rang mit der Einwilligung zu dem größten Schmerze, den ſie glaubte erleben zu können. Aber noch immer ſträubte ſich ihre ſtolze und kräftige Natur gegen eine ſolche Zumuthung; faſt zürnend blickte ſie auf Um⸗ ſtände, die ſie dazu nöthigen wollten; und wunderbar fühlte ſich Leonin von dieſer Forderung, die er in jedem Worte, in jedem Blicke dieſes Naturkindes er⸗ kannte, verſchüchtert. Alle Rückſichten, von denen er ſich beherrſcht erkennen mußte, verſanken vor einem Geiſte, dem die natürlichen Verhältniſſe der Menſchen allein eine Geltung hatten, und er fühlte theils Scheu, ihr die Erſcheinungen der Geſellſchaft, wie ſie ihm be⸗ kannt und bedeutend geworden, zu ſchildern, theils fühlte er Zweifel, ob ſie ihnen den Einfluß zugeſtehen würde, da ſie ihre Faſſungskraft überſteigen mußten. Aber wir können oft nach Außen hin uns gegen das Andringen einer gefürchteten Veränderung mit entſchiedenen Worten wehren, dennoch ergreift ſchon die Ueberzeugung, daß wir ihr nicht entrinnen können, unſere ängſtlich Wache haltenden Gedanken, und wir betreffen uns gegen unſern Willen auf kleinen Hand⸗ lungen oder Einrichtungen, die nur darauf Bezug haben können, daß wir ſelbſt jene gefürchtete Veränderung für unabweisbar halten und ihr inſtinktartig ſchon entgegen kommen.