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ſchrecklichen Erinnerungen. Mein Ur⸗Großvater ließ ſie gaſtlich einrichten— dort wollen wir Alles vergeſſen.“
„Ja wohl,“ ſprach der Kaſtellan,„von dieſem guten gnädigen Herrn ſind nur ſchöne, heitere Nachrichten in der Chronik zu finden. Er benutzte auch nie dieſe oberen Gemächer oder doch nur jene Seite drüben, die königlichen Prunkgemächer, nie den eben beſuchten Banketſaal, weil er auf den großen finſtern Hof mit dem Grabmal des Herrn Grafen Theophim herabſieht.“
Die vielfach bewegten Wanderer kehrten in ihre jetzt ſchön und anſprechend eingerichteten Zimmer zu⸗ rück, und hier erſt zeigte es ſich, wie tief erſchüttert Fennimor war, denn bleich und wortlos ſank ſie in einen Stuhl am Feuer hin, hörte nicht, was Leonin ſprach, und ſchien mit offenen Augen bewußtlos.
Leonin fühlte bald, daß er ſie nicht gewaltſam wecken dürfe, und gönnte es ihr, ſich ſelbſt auszu⸗ träumen, mit ſeinen liebevollen Blicken ihr blos ein zärtlicher Wächter bleibend.
Mit einem tiefen Seufzer löſte ſich endlich ihr beklommener Zuſtand— ſie erkannte Leonin und ſank weinend an ſeine Bruſt.—„O, Leonin,“ rief ſie— „daß in der offenen, ſchönen Welt, wie ſie von Gott kömmt, noch ſo eine finſtere geheime Welt iſt, die gar nicht dazu gehört, gar nicht Gottes Welt ſein kann—


