329 wiederholte und den alten Mann dabei befremdet an⸗ ſah, erwiederte er ſchüchtern:„Es iſt der Eudopien⸗ Thurm.“
„Eudoxia? Nun, wer war das?“ frug ſie weiter.
„Eudopia, das ſchöne Fräulein von Nemours, war auch eine Hofdame der Frau Königin Katharina — aber ſie hatte nicht Glück davon. Der König, ſagt man, habe ſie lieber gehabt, als erlaubt war, und er fand ſie hier einſtmals auf ihrem Lager, daß ſie ihm blos noch die blutende Wunde in der Bruſt zei⸗ gen konnte, und ihm ſagen, wie ihr befohlen war: die Königin habe dies gethan.— Dann iſt ſie ver⸗ ſchieden. Drauf, ſagt man, ſäße ſie noch immer hier auf dieſem Altane in ihrem weißen Kleide und warte auf den König, wie er ſonſt durch das Thal her⸗ auf zog.
„Heil'ger Gott,“ rief Fennimor und barg ihr Antlitz an Leonin's Bruſt,„eine Königin und morden! Iſt denn das möglich? Sie ſagen ja, ſie ſind von Gott erwählt— können ſie denn da morden? Das iſt vielleicht nicht wahr! O, Leonin,“ fuhr ſie weh⸗ müthig fort,„ſprich doch, Du mufßt es ja wiſſen!“
„Laß' das jetzt, Fennimor! Kehren wir lieber zurück— hier unten liegen unſere Zimmer auch freundlich von der Sonne erhellt, da wohnen keine


