20
und das Nachdenken, worin er mich verſetzte, iſt mir
nachtheilig.“ „Und jetzt müßt Ihr mit, Leonce!“ rief die Marquiſe munter dazwiſchen—„eben habe ich es
entſchieden. Ueber Lebenspfade, höhere Richtungen und wie Ihr das alles nennt, entſcheidet man am beſten auf Reiſen— nicht auf ſo haſtigen und ungeſtümen Reiſen, als junge Männer machen, wenn ſie allein ſind, ſondern auf ſolchen, wo man, in bequeme Kutſchenkiſſen gedrückt, an der Seite irgend einer gu⸗ ten, geſchwätzigen, launenhaften, luſtigen Frau, dahin rollt— außer Thätigkeit geſetzt, doch dem Zwecke gemäß ſich verhält, alſo ohne Gewiſſensbiſſe zum mü⸗ ßigen Nachdenken übergehen kann, wenn die Nach⸗ varin ſich müde geſchwatzt, oder über ihre Reiſekleider nachdenkt, oder ihre Sieſte hält— da, mein lieber Leonce, tritt der Moment ein, wo uns große Ge⸗ danken kommen— Lebensrichtungen ſich von ſelbſt offenbaren, und ohne den ſchwerfälligen Wuſt, den Stadt⸗ und Zimmerluft umhängen; vielmehr wird da Alles klar, hell und heiter, wie die Luft, die uns umſtrömt, wir vergeſſen nicht, daß das Leben, das wir mit myſtiſcher Spekulation ergründen wollen, vor allen Dingen ſchön iſt, und es keine ſanftere Wiege giebt, als in den Mutterarmen der Natur— und in


