Teil eines Werkes 
2. Theil (1844) Urica
Entstehung
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Augen, die ſie feſt auf ſie richtete, ein alter Seelenſchmerz aufgluͤhte, als ob dieſen lebenathmenden Mund ein ſanftes, dankbares Lächeln umzöge fuͤr die ſpäte Gerech⸗ tigkeit— ſie ſtand ſo erhaben und edel unter dem Throne, ſie ſchien ihre Hoheit ſo zu fuͤhlen, und das pur⸗ purrothe Sammtkleid hob gegen den Hermelin des Kö⸗ nigsmantels die ſchlanke reizend geformte Geſtalt.

Das ganze reine Oval ihres vollkommenen Geſichts trat frei unter der Spitzenhaube von rothem Sammt hervor, woruͤber die Krone leuchtete und der lange Gold⸗ flor des Schleiers niederfiel— dieſe ſchlanken weißen Haͤnde, die ſo viel Wunder ihres Geiſtes an das Licht zaubern halfen, hielten die ſchweren Verſuchungen ihres Lebens, den Zepter und den Roſenkranz, und es ſchien, als ob ſie den Erſteren nur zum Schutz des Letzteren gefaßt hielte.

„O Montroſe,“ rief plötzlich Urica—„wenn ſie dich gekannt hätte, hätte ſie die Liebe gekannt!“

Betroffen und errothend ſich ſo verrathen zu ſehen, ſagte Montroſe:„Und ſie war meine Muhme“— dann fuͤhrte er ſeine ſchoͤne Gemahlin auf ihren Wunſch zuruͤck, und ſie betrachtete noch einmal die Zimmer der königlichen Frau, und Urica ſank nachdenkend auf den kleinen Ankleideſtuhl vor der Toilette hin und blickte in den Spiegel, als muͤſſe er noch die Spuren der Schoͤn⸗

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