Teil eines Werkes 
2. Theil (1849)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

15

Tropfen aus den Augen der Tochter ſtahl. Laͤngſt hatte man auch die letzte Schuͤſſel unberuͤhrt hinweggenom⸗ men, und harrte, daß Maria ſich erheben wuͤrde; aber in tiefes Sinnen verloren, gab ſie kein Zeichen, daß ſie ſich ihrer Lage bewußt war. Mit der ganzen Geduld wohlerzogener Diener hielt der Alte dieſe Probe aus; doch ehe er es verhuͤten konnte, kniete Margarith neben dem Fraͤulein nieder.

Liebe, theure Lady, wollt Ihr Euch niederlegen, ſprach ſie weinerlich, Ihr muͤßt ſehr krank ſein.

Als ob ein Schuß an ihr Ohr gefallen, ſo ſchreckte

die gebeugte Geſtalt Maria's bei dieſen Worten empor,

und ſchnell aufſtehend rief ſie haſtig und tonlos: Was willſt Du? Wie? Wo ſoll ich hin?

Wollt Ihr nicht ruhen, liebes Fräulein? ſprach Margarith, noch ſchuͤchterner durch die Aufnahme ihrer erſten Worte. Ihr ſcheint der Ruhe zu beduͤrfen.

Ja, Ruhe, Ruhe! ſeufzte Maria, die habe ich nothig, ſehr noͤthig; wo aber ſagſt Du, daß ich ſie finden ſoll?

Auf Euerm Bette, erwiderte die Kleine ermuthigt, laßt mich Euch dahin fuͤhren.

Traͤumeriſch blickte Maria die geſchaͤftige Dienerin an, und mit einem Seufzer, der ihre Bruſt zu ſprengen ſchien, ließ ſie ſich hinwegführen.