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ſicht aus dem Spiegel zuruͤckſah. Sie hätte keine Fremde gefunden, die ihr gleichguͤltiger geſchienen haͤtte, als ſie ſich ſelbſt. Nur eine dumpfe Vorſtellung des Erlebten und der augenblicklichen Lage war ihr nach ſo vielen Anſtrengungen und Erſchuͤtterungen geblieben, nur eine klagenloſe Ergebung, eine voͤllige Muthloſigkeit, gegen ihr Schickſal anzukaͤmpfen; und haͤtte man jetzt den Schleier der Urſulinerinnen uͤber ſie geworfen, ſie wuͤrde ihn laͤchelnd als eine Wohlthat empfangen ha⸗ ben. Dieſe Stimmung hatte Zeit um ſich zu greifen, denn ob abſichtlich oder zufaͤllig, ihre Einſamkeit ward bis zur Mittagszeit nicht geſtoͤrt.
Margarith meldete ernſt und ſchuͤchtern, daß das Mittageſſen aufgetragen ſei, und ſie folgte ohne Erwi⸗ derung der Meldung. Aber der alte Diener, der heute
in ein feſtes Schweigen gehuͤllt ſie bediente, mußte voll
Erſtaunen die leidenden Zuͤge des ſchoͤnen Fräuleins und ihr gänzlich verändertes Weſen betrachten. Sie gruͤßte mit dem muͤden Haupte, ohne daß ein Läͤcheln den ſtummen Gruß belebt hätte; unberuͤhrt blieben die Speiſen vor ihr ſtehn, und ſanft wies ihre Hand den kleinen goldnen Becher zuruͤck, deſſen Inhalt ſie noch geſtern ſo wohl zu ſchätzen gewußt. Miklas und ſeine Tochter wechſelten Blicke, und auch der Vater konnte die Theilnahme nicht unterdruͤcken, die ſich in einzelnen


