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Am Nachmittag des Sylveſter hielt der Biſchof Georg ſeinen Einzug in die Stadt.
Als er das Haus des Schultheißen betreten hatte, flüſterte er bald demſelben zu:„Ich komme als Hoch⸗ zeitsgaſt— aber nicht als das allein. Schon als ich das vorige Mal hier war, ſagte ich, daß ich wohl bald einmal den Freiwerber bei Euch machen würde — ſo iſt es nun heute: ich habe für einen der edelſten Männer um Euere Iſolde zu werben.“
Der Schultheiß ſchüttelte niedergeſchlagen das Haupt und machte mit der Hand eine abwehrende Bewegung.„Da richtet ſelbſt Euer Hochwürden nichts aus— ſie will ledig bleiben und ich mag ſie nicht zwingen, ſo widerwärtig mir auch der Gedanke iſt, daß es dereinſt heißen wird, ein Fräulein von Weichs⸗ dorf ſei ſitzen geblieben— ans lanter Hochmuth und Ueberſchwenglichkeit.“
„Aber wenn ſie dennoch einwilligt und den Freier erhört, den ich ihr zuführe— werdet Ihr dann auch einwilligen?“
„Ein Eidam, den Euere Hand mir zuführt, wird mir ſtets willkommen ſein— nur zwingen mag ich Iſolde nicht,“ antwortete er feſt.
„Nein!“ ſagte der würdige Biſchof und nahm die Hand des Schultheißen,„hintergehen will ich Euch


