Teil eines Werkes 
3. Band (1861)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

33

worten möchtet— dann freilich hätt' ich vor Euch ſchweigen ſollen.“

„Gemach, junger Freund!“ rief Ulrich,„in den Pflichten der Menſchlichkeit ſind wir hier Alle einig— aber Ihr könntet Euch in den Verdacht bringen, die Dirne ſei Euch ſonderlich an's Herz gewachſen!“

„Auch Ihr!“ rief Georg ſchmerzlich bewegt;„o freilich! das hätt' ich wiſſen können, daß auch Ihr mich verdächtigt!“

„Still! komme zu dir!“ ſagte jetzt Meiſter Dürer beſchwichtigend zu ſeinem Lehrling;„es iſt Niemand hier, der dich, noch Gerhaus verräth— aber rede die volle, lautere Wahrheit!“ fügte er noch ernſter hinzu, „und dann wollen wir entſcheiden, was zu thun iſt.“ Georg ergriff die Hand des verehrten Meiſters, die ſo weiß und ſchmal war, als ſei ſie niemals zu

einer Arbeit gebraucht worden, drückte ſie halb be⸗ ſchämt, halb dankerfüllt an ſeine naſſen Augen und erzählte:„Als ich Gerhaus aus dem Waſſer an's Ufer gelegt, konnte ſie ſich lange nicht erholen, ob⸗ wohl ſie doch kaum einige Minuten darinnen geweſen und das Waſſer jetzt gar lieblich warm iſt, gleich der Luft— ſie ſchüttelte ſich wie im Fieber und geſtand, daß ſie ſchon krank geweſen und kaum vermocht habe bis hierher zu gehen, wohin ſie ein Entſchluß der Ver⸗

1861 XR. Die Schultheißentöchter von Rürnberg MI. 3