Noch niemals hatte er ſie ſo vor ſich geſehen— nichts Arges ahnend, reute ihn faſt ſchon in ſeiner Ent⸗ rüſtung über dieſe ewigen Verleumdungen feiner Töch⸗ ter ſo weit gegangen zu ſein— er hob ſie auf und
ſagte nun ungeduldig:„Wir wollen einmal vernünf⸗ tig zuſammen reden— höre mich an!“
Auf ſo viel Milde war ſie jetzt nicht vorbereitet, ſie verhüllte ihr Geſicht, das konvulſiviſch zuckte.
„Was im Klarakloſter vorgegangen,“ ſagte er, „weiß ich nicht nur von Iſolde ſelbſt, ſondern auch von Herrn Martin Geuder, dem Bürgermeiſter, Iſolde hat ein edles Werk gethan, daß ſie eine Waiſe, die Tochter eines ehrſamen Bürgers, die ihren Schutz gegen die Verführungsverſuche des in dieſen Künſten wohlerfahrenen Herrn Martin Löffelholz anrief, un⸗ ter den Schutz des Klarakloſters zu bringen ſuchte, er hat ſie dort, kaum angekommen, ausfindig gemacht, und wollte nun vereint mit ihrem Vormund das Klarakloſter verdächtigen, als ob es gewaltſam oder argliſtig Witwen und Waiſen, beſonders ſolche, die wie Jerta Echter Vermögen beſitzen, in ſeinen Schooß zu locken ſuche, und da der Rathebenkein großer Freund der Klöſter und der Geiſtlichkeit iſt, ſo hatte er Hoff⸗ nung mit einer ſolchen Beſchuldigung durchzudringen.


