Teil eines Werkes 
2. Band (1861)
Entstehung
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wärtigen zumal und von den heimiſchen nur die ihrer Sippe und einige Rathsherren nicht, die dieſe ganze Anordnung unziemlich fanden, weil ſie uraltem Her⸗ kommen entgegenlief, ſich zu den Schweſtern dräng⸗ ten und um die Ehre baten, ſie neben ſich auf einen andern Platz zu führen. Ein Blick auf ſie und ein zweiter in den Spiegel, konnte Frau von Weichsdorf belehren, daß ſie ihnen eigentlich nur zur Folie diente.

Anna freilich ſah noch ſehr leidend aus. Ihre klei⸗ nen Hände waren weiß wie Wachs und ſo abgezehrt, daß man meinte, hindurch ſehen zu können. So war auch ihr ganzes Geſicht, und die ſanften Augen erhiel⸗ ten durch die blaucn Ringe, die ſie umgaben, einen eigenthümlichen ſchwärmeriſchen Glanz. Ein Schleier⸗ tüchlein, das, mit goldenen Nadeln angeſteckt und un⸗ ter dem Kinn zuſammengeknüpft, von dem glatt ge⸗ ſtrichenen Haar nicht viel ſehen ließ, umwob ſie vol⸗ lends wie ein nebelhafter Heiligenſchein, ſo daß man ſie nur voll Andacht oder voll Mitleid betrachten konnte. Auch ihre übrige Tracht bezeichnete ſie noch als eine langſam Geneſende, die ſich zu ſchonen hatte. Zwar trug ſie ein prächtiges Roſakleid mit Silber⸗ ſtickerei, aber darüber ein halblanges Jäckchen von dunklem Sammt mit weißem Pelz beſetzt, das, oben