Teil eines Werkes 
1. Band (1861)
Entstehung
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Er arbeitete fleißig und wollte nicht aufſehen. Vor dem Picken ſeines Meißels überhörte er die nahenden Tritte. Iſolde ſchien auch über das Steingetäfel zu ſchweben, nur das Schleppen ihres Gewandes dar⸗ auf konnte man vernehmen.

Gott grüße Euch, Meiſter! ſagte ſie faſt de⸗ müthig. Zugleich ſchlug ſie den mit flimmerndem Silber durchwirkten Schleier zurück und ſtand mit geſenkten Augen vor ihm.

Er hielt mit ſeiner Arbeit inne und erwiderte ihren Gruß in beſcheidener Weiſe.

Ich bin Euch eine Erklärung ſchuldig für mein Betragen, begann ſie mit dem ſanfteſten Ausdruck ihres biegſamen Organs. Ich habe Euch nicht wie einen Fremden betrachtet, ſondern wie einen Freund der Behaim und als ſolchem Euch vertraut und Euern Beiſtand gefordert, da es mir an einem andern ge⸗ brach. In meiner früheſten Jngend ſchon hatte ich genug über Euch aus glaubwürdigem Munde gehört, nicht allein von meiner Mutter Schweſter Eliſabeth, ſondern auch von Charitas Pirkheimer und andern Bewohnerinnen des Klarakloſters, um nicht nur den Künſtler in Euch zu verehren, ſondern auch den Men⸗ ſchen unwillkürlich wie einen Bekannten zu betrach⸗ ten. Es iſt etwas Großes um das Bewußtſein, daß

1861 XV. Die Schultheißentöchter von Nürnberg. 1 13