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Schultheißen vorüberging, doch nicht an demſelben em⸗ porſah. Gleichwohl hatte ihm dies Vermeiden nicht viel geholfen. Mußte er doch faſt täglich in der Be⸗ gräbnißcapelle die Eliſabeth vor ſich ſehen, die ſeine eigene Hand als den Genius der Liebe hier in den Stein gemeißelt. Er hatte wohl ihre Schönheit treu der Natur nachgeahmt, aber er hatte ſie noch vergei⸗ ſtigt und veredelt dargeſtellt, wie ſie als Ideal vor ſei⸗ ner Seele ſchwebte. Das ſpöttiſche Lächeln, das zuweilen die edle Form ihres Mundes beeinträchtigen konnte, war hier verſchwunden, der Ausdruck von Eitelkeit und Hochmuth, den man bei ihr oft bemerken konnte, war hier zu einem Schimmer von Erhabenheit gewandelt, und das üppige Weib ſchien durch ſeinen vergeiſtigenden Meißel noch in der Glorie reinſter Jungfräulichkeit— es war eben eine verklärte Eliſabeth, die er geſchaffen. Und gerade dieſer glich Iſolde vielmehr als der wirk⸗ lichen— und Ulrich ward ein umgekehrter Pygmalion. In heilige Erinnerung verſunken, hatte er nach langen Jahren dies Werk ſeiner Hände wieder geſehen— ein frommes Andenken wollte er ihm weihen— und es ſtand plötzlich neben ihm als eine lebenswarme Er⸗ ſcheinung. Auch für ihn war dieſes Steingebilde bald viel mehr Iſolde als Eliſabeth. Das freilich wußte er noch nicht.


