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Nähe— und ſo achtete ſie auch weder darauf, daß ſie, um ihre Thränen zu trocknen, ihren Schleier halb zu⸗ rückgeſchlagen, noch daß ihre winterliche Hülle von der majeſtätiſchen Geſtalt herabgeglitten, ihr Gebetbuch auf den Teppich zu ihrer Seite herabgefallen war. Ein Baubruder ſtand unweit von ihr, halb ver⸗ borgen durch den Pfeiler, an den er lehnte, aber er ſah Jolde— ihre Schönheit, ihre Thränen, er hörte ihre Seufzer— und tief bewegt fragte er leiſe ſich ſelbſt: Auch ſie? Auch dieſe ſtolze Jungfrau eine Tochter des Schmerzes? Unwillkürlich drängte es ihn ſich ihr zu nähern— warum ſollt' er auch nicht? wer ſah ihn denn hier und wer ſah ſie? und wenn auch— warum ſollt er ihr nicht das Gebetbuch aufheben, das ſie ſonſt vielleicht im Staube liegen ließ, trotz des koſt⸗ baren Einbandes von Sammt und erhabener kunſt⸗ reicher Arbeit aus Gold und ſchimmernden Steinen? Doch, indem ſich Ulrich unwillkürlich leiſe einen Schritt darnach vorbewegte, kam ſchon eine andere Hand der ſeinen zuvor. Mit größerer Haſt als er und mit min⸗ der zarter Rückſicht, die Dame auch nicht zu erſchrecken, trat mit ſporenklirrenden ſchweren Eiſenſtiefeln ein Ritter hinter ſie und feſſelte mit ſeinem Abſatz die Schleppe ihres Kleides— dann nahm er das Gebet⸗ buch auf und ſchaute der Jungfrau keck in das Geſicht,


