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indem er ſich halb neben ihrem Betpult nieder⸗ bengte.
In Ulrich kochte ein Gefühl des Zorns empor, als müſſe er einen Tempelſchänder hinwegreißen von der Entweihung eines Heiligenbildes.
Selten iſt ein zart organiſirtes weibliches Weſen ſo in ſich ſelbſt verloren, daß es nicht die Annäherung eines andern bemerken ſollte; auch Iſolde fühlte jetzt, daß ſie nicht mehr allein, daß ſie beobachtet war, ſie ſcheute jede Bewegung, durch die ſie das zu erkennen gegeben hätte, aber ſie hörte auf zu ſeufzen und ließ die Perlen ihres Roſenkranzes durch die weißen Finger gleiten.
„Jungfrau Iſolde!“ flüſterte der Ritter.
Nun bei ihrem Namen genannt, ſchaute ſie auf, den Kopf ſtolz emporhebend, und ihre ganze Haltung eben noch die einer in Schmerz und Schwachheit demüthig Betenden, ward plötzlich die einer Königin— ſo nahm ſie auch das dargereichte Buch ohne Gruß und Dank und miteinem einzigen zornfunkelnden Blick.
„Allerwärts hab' ich Euch vergeblich geſucht und Eurer geharrt“— begann er ſchüchtern.
„Das iſt eine wenig paſſende Redeweiſe,“ ant⸗ wortete ſie ſtreng,„Ihr wußtet, wo wir zu finden waren, das Haus des Schultheißen iſt Jedermann bekannt in Nürnberg, Ihr brauchtet uns nicht an


