Die Dame ſchien den reichſten Geſchlechtern Nürn⸗ bergs anzugehören, nur ſie durften es wagen in ſolch' reicher Tracht zu erſcheinen. Sie trug ein Kleid von veilchenblauem wollnen Damaſt, mit ſchwarzemSammt beſetzt. Zwiſchen den aus langen Streifen beſtehenden Aermeln quollen Puffen von weißer Seide hervor. Das viereckig ausgeſchnittene Leibchen ging bis über die Hüften herab und zeigte buchſtäblich wie angegoſſen die feine Taille und die ſchwellenden Formen einer Ge⸗
ſtalt, die jedem Bildhauer zum Modell dienen konnte.
Ein durchſichtiges Hemdchen ward am Hals von einem prachtvollen goldenen Schmuck zuſammengehalten. Auf dem Haupt trug ſie einen jener ſeltſamen Kopfputze, die eben aufgekommen waren und„Sturz“ genannt wurden. Seine Form glich ungefähr einem aufſtei⸗ genden krummgebogenen Trichter, er war von ſchwar⸗ zem Sammt, mit Gold geſtickt und einem Schleier daran. Das Haar wurde nur hinten davon bedeckt, und quoll hier in üppigen braunen Flechten, die ſich in Bogen von vorn nach hinten legten, ein edles Ant⸗ litz umrahmend, wie Ulrich nur einmal eines von
ähnlicher Hoheit geſehen— und darum vermochte er
auch den Blick nicht wieder wegzuwenden von der herrlichen Erſcheinung— zumal als ſie jetzt die lang bewimperten Augenlider aufſchlug, und aus den


