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Er lebte!
Da ſaß er auf dem Sopha, gealtert zwar unb mit ergrautem Haar, aber ein rüſtiger Greis mit ro⸗ them, friſchem Geſicht und glatten Wangen— eine behäbige, von gemächlichem Wohlleben zeugende Er⸗ ſcheinung— ein ſchmunzelndes Lächeln ſchwebte um ſeinen Mund, und— was hielt denn nun Ulrich ab die Thür zu öffnen und den werthen Oheim zu begrü⸗ ßen,— mußte denn nicht die plötzliche Freude, ihn wiederzuſehen ſo in der Fülle der Geſundheit und Kraft, Ulrich's Eintritt entſchuldigen? Sagte ihm nicht das Ausſehen des Propſtes, daß der Wanderer zur guten Stunde gekommen?
Der Propſt war nicht allein— vor ihm auf dem eichenen Tiſch der ſilberne Armleuchter, ein kunſtrei⸗ ches Werk und Geſchenk aus einer Nürnberger Gold⸗ ſchmieds⸗Werkſtatt, auf dem drei dicke Wachsſtümpf⸗ chen hell aufflammten—(wenn ſie auf dem Hochaltar von St. Lorenz kurz gebrannt, wanderten die geweih⸗ ten Kerzen in die Propſtei und leuchteten oft genug zu Spiel und Trunk)— der Leuchter warf niht nur ein ſo helles Licht auf den Propſt, ſondern beleuchtete die Reize einer Dame, nach welcher der alte Herr mit verliebten Blicken ſchielte und ihre kleine weiße Hand in ſeiner dicken Rechten verſchwinden ließ.


