Selbſt in ſolche Betrachtungen verſenkt, kam Ulrich ſeinem Ziele immer näher. Schon hoben ſich die un⸗ zähligen Thürme der Stadt vor ihm empor und die Veſte grüßte noch über ſie hinweg. Schon ſchlug die große Glocke von St. Sebald mit ihren gewaltigen Schwingungen an ſein Ohr— ſchon hörte er ein Klo⸗ ſterglöckchen Ave Maria läuten! O er kannte auch die Stimme dieſes Glöckchens! vom Klarakloſter ſchallte es empor— dasſelbe, das da drinnen ſeiner Mutter zum ewigen Frieden geläutet. Welche Erinnerungen wachten da in ihm auf an die ſchwerſten Stunden ſei⸗ nes Lebens! In Nürnberg hatte er ſie erlebt— ſo tiefes Leid wie in ihm hatte er in keinem andern Ort gefunden— und doch zog es ihn wieder dahin mit un⸗ widerſtehlichem Sehnen.
Es war ein Zug, der von allen Gebildeten der da⸗ maligen Zeit getheilt ward. Nürnberg glich dem Magnetberg der Sage mitten im deutſchen Reich— wer es einmal geſehen, dem ließ es keine Ruhe, er mußte es wieder ſehen; wer einmal mit offenen Augen und ſtrebender Seele in dies raſtlos thätige Treiben geſchaut, das in Kunſt und Wiſſenſchaft, in Handel und Gewerbe zugleich und überall ſeine ſchönſten Blü⸗ ten entfaltete, der verlangte auch immer wieder dar⸗ nach. So erging es ſelbſt Königen und Kaiſern, die,


