Teil eines Werkes 
1. Band (1861)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

5

Schleier der weißen Birken, wie erſchloſſen ſich alle Blumen begierig dem Licht der Maienſonne, wie dräng⸗ ten alle Knoſpen nach Entwicklung!

So drängte und blühte es damals auch im Weſen des Jünglings, ſo daſeinsfreudig war auch ihm zu Muthe und jetzt, wie war es denn jetzt, da der Jüngling zum reifen Manne geworden? Vorüber war der Frühling mit ſeinen ſüßen Gaukeleien, jetzt war es Herbſt. Aber wie viel auch Ulrich erlebt, gelitten und gekämpft zumeiſt gerade in den Jahren, die er in Nürnberg verlebte wie viel Träume und Hoff⸗ nungen des Frühlings ihm auch mit ſeinen Blumen ver⸗ welkt waren, zertreten und verweht ſo klar wie dieſer Herbſthimmel wölbte ſich noch über ihm der Himmel

der Kunſt, ſo rein wie dieſe Luftwellen und Sonnen⸗ ſtrahlen glühte noch die Begeiſterung für ſie in ſeinem Herzen. Daß die lockenden Liebesgeſänge der Vögel verſtummt das dünkte ihm gut, denn ein Bau⸗ bruder durfte ja ſo ihnen nimmer Gehör geben, und war das verheißungsreiche Maigrün vergangen nun, ſo hatte der Wald ja, überall die deutſchen Reichs⸗ farben gleich Siegesfähnlein aufgeſteckt, ſo grüßte ſtatt tirrilirenden Vögeln dies heilige Schwarz, Roth und Gold von den mächtigen Buchen und redete eine Sprache geweihter Prophetie zu dem deutſchen Manne.