234
ihr fragend und ſuchend, aber nirgend erhielt ich eine andere Antwort. Ich entſann mich, daß ſie einen Bruder Anton gehabt hatte, der Geiſtlicher war— ihn fand ich endlich in Worms, aber es ging ihm wie mir: er wußte auch nichts von ſeiner Schweſter.“
Ulrich hörte mit äußerſter Spannung zu und ſagte: „Meine Mutter war eine geborene Waiſe—“
„Höre weiter!“ ſagte Amadeus.„Jahre vergingen, und man ſagt ja, daß die Zeit jeden Schmerz heilt. Ich heirathete ein ebenbürtiges Edelfräulein, das mich zärtlich liebte und das ich glücklich machte. Ich ſelbſt war es wohl auch einige Zeit— aber das Umhertreiben in Kampf und Gefahr in allen Landen war mir lieber, als daheim auf meinem Schloſſe zu ſitzen bei Weib und Kind. So kam ich auch einſt an der Spitze einer Schaar in das Elſaß, und dort gab es bei einem Dorſe ein Gefecht, welches daſſelbe ganz verwüſtete. Wer kampffähig war, mußte mitziehen, und die Frauen, die unſeren Leuten ge⸗ fielen, wurden auch nicht geſchont. Da hört' ich den Na⸗ men Ulrike— in der dürftigen Tracht einer Bäuerin er⸗ kannt' ich die Geliebte meiner Jugend nach zehn Jahren der Trennung wieder und ſie erkannte mich. Die Zeit und Alles, was inzwiſchen geſchehen, verſank vor uns— wir hatten Beide einander für todt beweint— wir lebten und hatten uns wieder! So wunderbar zuſammen⸗


