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„Vor achtundzwanzig Jahren,“ ſagte Amadeus„war Amadeus von Wildenſels ein ſtolzer feuriger Ritter, als er bei einem Reichstag in Koſtnitz die liebreizende nlrike Kreß kennen lernte, die dort als eine alleinſtehende Ver⸗ wandte in der Familie lebte, in deren Haus er wohnte. Ein Vierteljahr hatten ſie ſich täglich geſehen und mehr und mehr geliebt; obwohl der Ritter wußte, daß die Sei⸗ nigen einer Verbindung mit einer Bürgerlichen entgegen ſein würden, ſo verlobte er ſich doch mit ihr und ver⸗ ſprach, ſobald er aus dem Kampf in den er eben mit ziehen mußte, heimkehren werde, ſie zum Altar zu führen. Aber in der Aufregung der Trennungsſtunde nahmen ſie das dann verheißene Glück voraus.— Ein Jahr verging, ehe der Ritter zurückkehren konnte. Er fand Ulrike, die eine Waiſe war, nicht mehr in Koſtnitz; von der Fa⸗ milie, bei welcher ſie gewohnt, erfuhr er nur, daß ſie vor einem halben Jahr dieſelbe verlaſſen habe, und daß man ihr auch nie wieder die Aufnahme in ſie geſtatten werde, weil ſie ſich derſelben unwerth gemacht.— Uiberall forſchte ich vergeblich nach ihr; von einem gemeinſchaft⸗ lichen Bekannten hörte ich einmal, daß man etwa vor einem halben Jahre eine weibliche Leiche im Rhein ge⸗ funden habe, und daß man glaube, es ſei Ulrike gewe⸗ ſen, die ſich, um der Schande zu entgehen, den Tod ge⸗ geben. Verzweiſlungsvoll irrt' ich noch immer umher nach
1859. XVI. Nürnberg. M. 15


