Teil eines Werkes 
2. Band (1859)
Entstehung
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Muffel in dieſer Zeit gelitten zu haben, welche jetzt zu ihr in das Zimmer trat. Ihre ſanften Züge drückten Leid und Sehnſucht aus, und ihren Augen ſah man es an, daß ſie manche kummervolle Nacht durchwacht und manche Thräne vergoſſen.

Die neue Glocke auf dem Thurm der Sebaldskirche hatte nicht lange zwölf Uhr geſchlagen, als Urſula zu Eliſabeth kam. Die übliche Zeit des Mittageſſens war bei den Vornehmen wie bei den Handwerkern gleicherweiſe eilf Uhr, und da man ſich für gewöhnlich auch in den reichſten Häuſern auf wenige Gänge beſchränkte, dafür nur wenn Gäſte zugegen waren oder bei außerordentli⸗ chen ſeſtlichen Gelegenheiten die Gänge in's Unzählige ſteigerte und oſt gleich vom Abend bis zum Mittag bei Tiſche ſaß, ſo war eine gewöhnliche bürgerliche Mahlzeit in einer Stunde beendet. Um Ein Uhr pflegten ſich an den beſtimmten Tagen die Stickerinnen bei Eliſabeth zu verſammeln.

Urſula ſagte Eliſabeth begrüßend:Ich komme frü⸗ her als die Andern, weil ich von Dir hören wollte, ob es wahr iſt, daß für den nächſten Monat ein Reichstag hierher ausgeſchrieben iſt und ob König Max auch mit⸗ kommen wird?

Eliſabeth's Augen leuchteten bei dieſer Nachricht. Ich habe noch Nichts davon gehört, antwortete ſie;