13
innerſter Empfindung hervorgegangen, zum wahren Le⸗ bensbedürfniß geworden; bei ihm war nur Gitelkeit und Ehrgeiz dabei das leitende Motiv, im Uibrigen lebte er ſeinen Geſchäften als Kaufmann und Rathsmitglied, und fand mehr Gefallen an Zechgelagen und Schmauſereien als an gelehrten Geſellſchaften und Kunſtbeſtrebungen. Gern überließ er dieſe ſeiner Gemahlin, und dieſe grollte ihm ebenſo wenig darüber, wenn er Tage und Rächte außer dem Hauſe in wüſten Geſellſchaſten zubrachte, die trotz der Betheiligung vornehmer und hochangeſehener Rathsmitglieder keineswegs zu den mäßigen und ſitten⸗ reinen gehörten. So lebte dies Paar glücklich und zufrie⸗ den vor den Augen der WVelt; der Gatte war es wirk⸗ lich, denn ihm genügtè dieſer äußere ungeſtörte Lebens⸗ genuß, und ſein Herz, das wohl einſt auch Leidenſchaften gekannt und wärmere Empfindungen, war jetzt doch längſt alt und kalt geworden, nicht mehr gemacht für zartere Regungen, die in ſeinem männlichen Alltagsleben, deſſen Freuden im wechſelnden Beſuch der Trinkſtuben und grö⸗ ßerer Gaſtereien beſtanden, gätzlich untergegangen. Fli⸗ ſabeth gehörte zu den edlen Frauenſeelen, welche von ſitt⸗ lichen Prundſützen erfüllt ſtill dulden und entſagen, und den Schein des Glückes bewahren, auch wo ſie dieſes ſelbſt als verloren erkennen, um ſich ſo wenigſtens vor dem Mitleid zu ſichern, das ſie wie eine Schande empfin⸗


