Teil eines Werkes 
1. Band (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

W

reichte, mit der es ſich ganz wohl vertrug, fleißige Bür⸗ ger zu berauben und ehrſame Frauen zu entführen, wenn es nur mit der nöthigen Frechheit, welche man Kühnheit nannte, geſchah dieſer Adel haßte die Bau⸗ brüderſchaſten oder verachtete ſie doch, wie er Alles ver⸗ achtete, was nicht vor der feudalen Herrlichkeit ſich beugte. Dieſer Adel war bei ſeinen Bauten mehr auf ſicheres und feſtes Wohnen als auf Schönheit bedacht. Vorüber war auch bei ihm jener ſtomme und gläubige Sinn, der in früheren Zeiten wohl Fürſten und Herren vermocht hatte, bei einer gelungenen Unternehmung Kirchen oder Kapellen oder Klöſter zu ſtiften, vorüber die ganze reli⸗ giöſe Begeiſterung, die in den Kreuzzügen und unzähli⸗ gen Gelübden zu kirchlichen Zwecken ſich ofſenbarte: das alte, zu ſeiner Zeit edle und begeiſterte Ritterthum war im Abſterben und hatte nur einer Art von Raufbold⸗ thum und beiſpielloſer Verwilderung der Sitten Platz ge⸗ macht. Im Gegenſatz dazu war das Bürgerthum in wür⸗ diger Haltung, beſonders in den freien Reichsſtädten emporgeblüht, und man ſetzte in ihm, beſonders in Nürn⸗ berg eine Ehre darein, die Kunſt zu pflegen und zu be⸗ ſchützen. Es war vielmehr Begeiſterung für die Kunſt an ſich, wenn man will, auch Ehren⸗ und Modeſache, daß die Nürnberger Patrizier förmlich mit einander wetteifer⸗ ten, Stiſtungen, wenn nicht zu neuen Kirchen ſelbſt, doch