Teil eines Werkes 
1. Band (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

246

zunickend zu ihm ſagte, wahrſcheinlich um ſeine Anweſen⸗ heit in dieſem üblen Lokal zu rechtfertigen:

„Wenn Ihr nicht ganz verdurſtet ſeid, möcht' ich Euch nicht rathen hier zu trinken; drinnen liegt eine alte Frau im Sterben— wer weiß, was ihr fehlt. Wir ſind

herausgegangen, weil ſie die Amme meiner Herrin ge⸗ weſen.“

„Ja,“ ſagte Ulrich,„es iſt auch ein ſchlechter Dunſt hier; wenn Eure Herrin noch drinnen iſt, möcht' ich Euch rathen bald mit ihr zu gehen, damit ihr kein Leid geſchieht; ohnehin wird es bald dunkel, und da treibt ſich hier vft ſchlechtes Geſindel herum; das iſt kein Weg für Damen.“

„Das hab' ich auch geſagt,“ beſtätigte der Diener.

Die Frau kam mit dem Waſſer, drinnen hörte man ächzen und ſtöhnen; Erwin ſchüttelte ſich jetzt vor dem Waſſer, und Ulrich goß es draußen weg ſtatt zu trinken und winkte dem Diener heraus.

„Warum wartet Ihr nicht lieber außen?“ fragte er ihn.

„Weil es ein verrufenes Haus iſt; man ſchämt ſich, wenn einen Jemand ſieht; die Frau, die heraus kam, gibt ſich mit Zaubereien ab, und ich kann nicht Jedermann erzählen, daß die Frau Scheurlin aus lauter chriſtlcher Barmherzigkeit drinnen bei ihrer Amme ſitz, deren Ster⸗