Teil eines Werkes 
1. Band (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

229

felte nicht, daß ihre Eltern in Nürnberg ihren Bund ſegnen würden. Es kam ſchon vor, daß ein Ritter, der nicht beſonders mit Schätzen geſegnet war, und Streit⸗ berg ſchien das auch nicht zu ſein, ſich's noch zur Ehre ſchätzen mußte, wenn ein reichsſtädtiſcher Bürger ihm die Tochter mit der reichen Mitgift gab, die Einwilligung ihrer Eltern erhalten werde. Da ſie von Venedig ſchei⸗ den mußte, und er das belagerte Wien zum Ziel hatte, gelobten ſie einander Treue und Schweigen, bis es ihm möglich ſein werde nach Nürnberg zu kommen. Uiber ein Jahr verging ſo getrennt, zuweilen durch ein zärtliches Brieflein unterbrochen.

Endlich meldete ihr ein ſolches, daß er komme, daß er ſie bitte ihn vor dem Thiergärtnerthor zu erwarten, damit ihr erſtes Wiederſehen nach ſo langer Trennung ohne Zeugen ſei, dann wolle er ſie zu ihren Eltern be⸗ gleiten. Liebeſelig erfüllte ſie ſeinen Wunſch noch vor der beſtimmten Stunde. Die angegebene Stelle pflegte ſonſt menſchenleer zu ſein. Sie erſtaunte eine verſchleierte Da⸗ me dort zu finden.

„Eliſabeth Behaim,“ fragte dieſe,„Ihr wartet auf Eberhard von Streitberg?!“

Und da GEliſabeth ſchwieg, gab ihr die Fremde den von Eliſabeth ſelbſt geſchriebenen Brief.

Eliſabeth rief:„O er kann nicht kommen, und ſen⸗