107
ihr letzter Beſchluß. Frau von Störmthal ſtimmte dem bei, fand dieſe Maßregel aber doch nur gut für das Mädchen, dem ja doch die Rolle des Abwartens zufiel und das ſich nur nach vorhergegangenem Anfang zu entſcheiden hatte, aber bei dem Sohne fand ſie es doch für gut, ihr Project ihm offen vorzulegen. Sie konnte ihn ja! der Wille der Mutter war ihm vor Allem hei⸗ lig und ihrem klugen Rathe hatte er ſchon mehr als einmal in entſcheidenden Momenten ſich vertraut. Un⸗ geprüft wenigſtens hatte er ihn noch niemals von ſich ge⸗ wieſen— daß er nicht ohne ſtrenge Prüfung den wich⸗ tigſten Schritt ſeines Lebens thun würde, wußte ſie mit Beſtimmtheit— er hatte ſich noch in allen Verhältniſ⸗ ſen durch kluge Ueberlegung und ruhige Mäßigung aus⸗ gezeichnet, er würde ſich auch in dieſer Angelegenheit davon beſtimmen laſſen. Ueber die Jahre der Jugend⸗ thorheiten, der leichtſinnigen ode ſchwärmeriſchen Liebes⸗ verbindungen war er ja längſt hinaus. Ueberhaupt war er eine ruhige Natur, der die Liebe gerade nicht viel zu ſchaffen machte. Er hatte wohl dieſe und jene flüchtige Liaiſon gehabt, dies und jenes Intereſſe, wohl
auch da und dort der Sinnlichkeit im flüchtigen Rauſche
ihren Tribut gezahlt— aber von einer gewaltigen Leidenſchaft, von Kämpfen des Herzens fand ſich in ſeinem ganzen Leben keine Spur. Sein Streben na Carriere und jener edlere Ehrgeiz, ſich wirklich durch


