—— 3
89
hingenommen und getragen wird— es ruht in ihr dieſelbe weihevolle Kraft!
Sigismund blieb noch ein paar Tage im Vater⸗ hauſe, bis er durch den Atzt erfahren, daß Editha völ⸗ lig außer Gefahr ſei, wenn ſie auch noch längere Zeit das Bett werde hüten müfſen. Unter dieſen Umſtän⸗ den konnte er nicht daran denken, ſie noch einmal wieder zu ſehen— er wollte es auch nicht. Noch durfte er hoffen, daß man ihren Frieden nicht geſtört wie den ſeinigen. Selbſt wenn der Vater ihr zürnte, würde er doch begreifen, daß Editha jetzt vor jeder Gemüths⸗ bewegung bewahrt werden müßte. Sigismund kannte das zärtliche Vaterherz des Hauptmanns genug, um ge⸗ wiß zu jein, daß er die Tochter ſchonen würde und ſie ſelbſt würde es natürlich finden, daß Sigismund gleich allen nicht zur Familie gehörenden Perſonen von ihrem Krankenzimmer fern gehalten ward, daß er endlich ab⸗ reiſte, ohne ſie wiedergeſehen zu haben. Konnte es ſie nun vielleicht auch quälen, nicht zu wiſſen, wie ihre El⸗
tern Sigismunds Studienwechſel aufgenommen, und 3 würde es ſie ſchmerzen, früher oder ſpäter zu erfahren,
daß ſie ihm zürnten, ſo blieb doch wohl der Hauptgrund diee Zürnens ihr verborgen und bei dem klaren Blick, dem heiteren Gemüth, die ihr eigen, konnte ſie wohl ſich tröſten, daß es der Zeit gelingen werde, ganz von ſelbſt die Verſöhnung herbeizuführen. Es waren ja oft


