Die Mutter verſtand ſein Schweigen— ſie fuhr ſich mit ihrer Schürze über das Geſicht, trocknete ihre Thränen und ſagte:„Du brauchſt es mir ſo wenig zu geſtehen wie das Fräulein, ich weiß es doch! Es iſt ſo natürlich! Es kann ja gar kein lieberes und reine⸗ res Weſen geben, als das Fräulein iſt.— Du wirſt weit und breit kein Mädchen gefunden haben, das ihr gleicht oder vielmehr Du ſiehſt nach gar keinen, wie viele Dir auch begegnen, entgegenkommen mögen— es giebt eben nur die Eine für Dich auf der Welt— und mit ihr iſt es auch ſo, wie Viele ihr ſchon nach⸗ gegangen ſind, um ſie gefreit haben— ſie fragt nach Keinem, weil ſie nur an Dich denkt.“—
„Aber ich bitte Dich, Mutter!“ rief Sigismund, die Hände in ſchmerzlicher Bewegung zuſammenſchla⸗ gend,„wo haſt Du das Alles her?“
„Denke nicht, daß Du mich noch täuſchen willſt,“ fuhr ſie fort, ihrer Ueberzeugung vertrauend,„einer Mutter gehen endlich die Augen auf! und was die arme Schulmeiſterin erſt verſtanden, wie es zu ſpät war, dies hätte die verſtändige gnädige Frau, die auch Mutter iſt, wohl früher ſehen können. Nun! ich bin unſchul⸗ dig, mir können ſie keine Vorwürfe machen, ſie ha⸗ ben Dir und mir ja nie Ruhe gelaſſen, daß Du mit in's Schloß kamſt! und wenn Dich die Frau Haupt⸗ männin lobte, was Du für ein guter Junge ſeieſt, wenn


