80
reichen, daß ihr Pfarrer aus ihrem eigenem Schooß hervorgegangen— zum Studiren gab ich die Mittel, nicht aber zum Muſiciren— als Spielerei nebenher und weil ein tüchtiger Theologe auch etwas Muſik ver⸗ ſtehen muß, hab ich nichts gegen das Violinſpiel gehabt — aber aus dergleichen Tand einen Lebensberuf machen, ein fahrender Muſikant, vielleicht ein Virtuos zu werden, der bald genug von ſeinen hohen Einbildungen zurück⸗ kommt, um als Bierfiedler zu enden— das iſt mir tief verächtlich. Sie haben mich hintergangen, indem Sie etwas Anderes lernten, als das, wozu ich Sie unter⸗ ſtützte— aber das iſt noch nicht genug! Sie haben mich auch in meinem Hauſe hintergangen. Sie ſind wie ein Kind desſelben betrachtet worden und haben ein frevelhaftes Spiel geſpielt— ich will nicht deutlicher ſprechen, dann würde ich die Sache nur verſchlimmern — ich will nicht fragen, warum Sie geſtern im Dunkeln meiner Tochter im Park auflauerten und Sie zu ſich lockten— ich will nur—“
„Herr Hauptmann!“ rief Sigismund und glühende Röthe übergoß ſein Geſicht.— Aber Editha's Vater ließ ſich nicht unterbrechen: „Ich will nur bemerken, daß die Zeiten vorüber ſind, wo ſich der Schulmeiſtersſohn Vertraulichkeiten gegen die Tochter des Gutsherrn erlauben darf, die dieſer ſchwach genug war einſt den Kindern nachzuſehen—


