66
vorzuſtehen haben, was eigentlich Sorgen ſind! Laſſen Sie ſich von meinem Beiſpiele warnen: heirathen Sie nicht! Ich ſage es auch gleich im Voraus: ſo bald ich bemerke, daß eine der bei mir engagirten Damen ein Verhältniß hat, ſo ſind wir getrennt, denn es iſt gegen meine Grundſätze, länger in ſo engem Verkehr mit einem Weſen zu ſein, das einem Irrthum verfällt, dem ich ſelbſt zum Opfer geworden und das ich nicht davor bewahren kann. Aus eben dieſem Grunde befand ſich Frau Reichmann an dem Tage, wo Felicitas ihr An⸗ erbieten machte, ohne eine bei ihr wohnende Gehülfin, da ihre vorige ſich verlobt und damit ihre Stellung eingebüßt hatte.
Da Felicitas in allen Künſten ein wenig dilettirt hatte, zeichnete, nothdürftig franzöſiſch und engliſch ſprach, ſo durfte Frau Reichmann hoffen, daß auch ihre Tochter Bertha, die jetzt ziemlich dreizehn Jahr zählte, davon noch einigen Gewinn ziehen ſollte— und ſo ward es denn von allen Theilen als eine glückliche Fügung be⸗ trachtet, daß gerade Felicitas in dies Haus gekommen war.
Fühlte ſie ſich ſo in ihm in einer ganz ungewohn⸗ ten Sphäre, aber durch wechſelnde Thätigkeit befriedigt, mehr noch dadurch, daß ihre Fähigkeiten anerkannt wur⸗ den und zu allermeiſt durch den Gedanken„Niemanden zur Laſt zu fallen,“ ſo blieben ihr doch auch bittere Em⸗
pfindungen nicht erſpart. Hatte ſie der größte Theil 3


