Teil eines Werkes 
1. Theil (1864)
Entstehung
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Princip hatte ſie dann junge Mädchen zu ſich genommen, die ſie in ihrem Fach unterrichtete. Eine derſelben wohnte mit bei ihr, eine andere kam nur und half während der Tagesſtunden.

Am letzten Weihnachtsfeſt hatte ſich Felicitas für ihre Geſchwiſter bei Frau Reichmann photographiren laſſen und ſchon wie ſie ſich in dieſem Damenatelier befand, war der Gedanke in ihr aufgeſtiegen, eine ähn⸗ liche Beſchäftigung für ſich zu wünſchen. Sie hatte

ihn wieder zurückgewieſen, weil ſie ſich für verpflichtet

hielt, ihre Kräfte zuerſt ihren Geſchwiſtern zu widmen—

wie ſie ſich aber hier überflüſſig ſah, war ihr erſter Schritt zu Frau Reichmann. Sie war ſchon noch mehr⸗ mals bei ihr geweſen und wußte, daß ſie ihr Ver⸗ krauen am beſten durch eigenes Vertrauen erringen kounte. Ungeſcheut, wenn auch mit der größten Schonung für ihre Geſchwiſter, theilte ſie der erfahrenen Frau mit, daß ſie irgend eine Stellung ſich ſuchen, einem Beruf ſich widmen wolle, um dadurch der Nothwendigkeit zu entgehen, entweder ihren Verwandten zur Laſt zu fallen, oder einem ungeliebten Manne die Hand zu reichen. „Da thun Sie ſehr recht!“ hatte Frau Reichmann geſagt, die Hauptſache im Leben iſt, immer auf eigenen Füßen ſtehen zu lernen und von denen, welche heirathen, um dann ohne Sorgen zu ſein, find die meiſten betro⸗ gen— ſie erfahren erſt dann, wenn ſie einer Familie Louiſe Otto: Neue Bahnen. 1. 5