Teil eines Werkes 
1. Theil (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

46

hatte ihr ihre Tochter geſchrieben, die ſie zufällig von einem ſeiner theologiſchen Studiengenoſſen erfahren, mit dem Bemerken, daß es ſeine Eltern wahrſcheinlich gar nicht wüßten. Die Paſtorin mochte auch davon feſt überzeugt ſein, da ſie aus dem Schulhaus noch nichts davon hatte verlauten hören,— ſie ſandte daher ihren Mann mit der Hiobspoſt„zu den unglücklichen Eltern, ſie durch Gottes Wort zu tröſten,“ indem ſie ſelbſt ſich das Vergnügen nicht nehmen ließ, der Schloßherrſchaft auf„feine Weiſe“ zu verſtehen zu geben, was dabei herauskomme, wenn man Schulmeiſterkinder mehr protegire als Paſtorenkinder.

So war ſie jetzt im beſten Zuge, Sigismund als einen Vagabunden und Gottesleugner darzuſtellen, indeß Frau von Friedleben beſorgt hinaus in die ſeltſam beleuch⸗ tete Landſchaft blickte und auf ihre geliebte Tochter, die ſo kindlich froh und ahnungslos mit den Vögeln ſpielte, indeß drohende Wetterwolken emporzogen.—

Die Paſtorin folgte dieſen Blicken und ſagte:„Sie haben das gnädige Fräulein auch ſo oft in der Geſellſchaft dieſes verwahrloſten Menſchen gelaſſen, das tröſtet mich darüber, daß er much in die Nähe meiner Töchter kam— aber von nun an wird er für immer aus der Pfarre verbannt ſein— und ich denke, die gnädige Frau wird ihm auch nicht mehr erlauben das Schloß zu betreten.—“

„Wenn er ſo geſunken ſein ſollte, wie Sie ſagen,“ antwortete die ſanftere Frau von Friedleben,„allerdings