Teil eines Werkes 
1. Theil (1864)
Entstehung
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Editha fühlte bald, daß ſie an Sigismund's Eltern ihre ganze Beredſamkeit ſo ſehr erſchöpft hatte, daß ſie ſich an demſelben Tage nicht noch Kraft zutraute, ſie auch an ihren eigenen Eltern zu verſuchen, ſondern daß ſie über das heut Erlebte lieber noch ſchwieg. Warum auch gleich Allen Alles ſagen? war es oft nicht beſſer die Dinge reifen zu laſſen, ehe man über ihr Für und Wider ſich ſtritt, wenn doch einmal nichts daran zu ändern war? War es denn nicht klüger, erſt dann zu ſagen, daß aus dem Candidaten ein Virtuos geworden, ſobald Sigismund bewieſen hatte, daß er ein ſolcher ſei, was nach Editha's günſtiger Meinung von ihm gewiß recht bald geſchehen mußte?

So waren einige Tage vergangen und Editha be⸗ nutzte einen friedlichen Sommerabend, ſich wie gewöhnlich im Park zu ergehen.

Still und mild war die Luft. Vor der Sonne im Weſten ſchien ein ſchwarzes ehernes Schild zu lagern, an dem ſich die Strahlen wie Lanzenſpitzen brachen und nur da und dort noch einmal hervorblitzten. Leichte weiße Wölkchen tauchten zuweilen wie wallende Feder⸗ büſche hervor und verſchwanden dann wieder in einer Fluth von Sonnengold, die, weil ſie jeden zarten abend⸗ lichen Roſenſchmuck verſchmähte, faſt unheildrohend auf und nieder wogte. So im Widerſchein dieſes nur zu⸗ weilen hervorſchießenden flüſſigen Goldes leuchteten die