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14. Band, Olgierd und Olga, oder Polen im eilften Jahrhundert : 5. Theil (1832) Polen im eilften Jahrhundert
Entstehung
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Jungfrauen, die man gefangen mit ihren knechtiſchen Buhlern. Viele der Herren und Ritter am Throne erkannten unter ihnen ihr ehelig Gemahl, ihre Tochter oder Schweſter,

manch Herz kaͤmpfte zwiſchen Zorn und Mit⸗

leid, manche Wange, auch die des Marſchalls Andreas, faͤrbte ſich dunkelroth vor Scham uͤber den Schimpf ihres Geſchlechtes und deſſen oͤffentliche Schauſtellung..

Vor den Reihen der Verbrecher, dem Bal⸗ dachine zunaͤchſt, ſah man die Haͤupter der Emporung, Olgierd und Olga. Auch ſie wa⸗ ren gefeſſelt, und wie die Andern auch, als Vorzeichen des nahen Todes, am Halſe u den Schultern entblößt.

Dem Juͤngling ſchien die Gewißheit Vernichtung Kraft verliehen zu haben, er ſtand aufrecht, beinahe ſtolz, und tiefe Gleichgiltig⸗ keit wohnte in ſeinen Zuͤgen. Das Ungluͤck wie der Tod haben eine verſoͤhnende Kraft, ſelbſt diejenigen, die im grimmigſten Haß ge⸗ gen den frechen Leibeigenen entbrannt waren, gegen den Verderber des Reiches, ihres Be⸗ ſitzthums und ihrer Stammehre, verweilten mit einer Art von Mitleid auf der jugendlichen