Teil eines Werkes 
12. Band, Olgierd und Olga, oder Polen im eilften Jahrhundert : 3. Theil (1828) Polen im eilften Jahrhundert
Entstehung
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Nähe und Dein Anſchaun erquickt meine Seele mehr, als ſelbſt des Prieſters fromme Ermahn⸗ ung. Fuͤhl' ich mich doch ganz rein neben Dir, und was ich mir auch vorzuwerfen habe, jede Selbſtanklage verſchwindet in dem Anblick Dei⸗ ner Abſcheulichkeit. So ende denn nun, da⸗ mit das Wort in Erfuͤllung gehe, daß Jeder die Strafe finden ſoll in den Folgen ſeiner Thaten. Gezuͤchtigt durch Dich, tret' ich ent⸗ ſuͤndigt vor den ewigen Richter, der Dich ver⸗ wirft. Warum zauderſt Du? Der Mord iſt Dir ja nicht fremd und an einem heiligern Haupte wohl haſt Du gefrevelt, als an dem meinen.

Mit Verachtung ſah Olga auf ihn nieder und ſprach kalt und eintoͤnig: Wohl iſt Dei⸗ ne letzte Stunde da, Severin, doch gedenke nicht, ſie ſolle Dir alſo leicht werden, wie Du meineſt und Dich ſanft hinuͤber fuͤhren, dorthin, wo Du hoffeſt, daß Dir Vergebung werden wird. Haß, Rache und Verzweiflung gebe ich Dir zu Geleitern mit, ſiehe zu, welche Aufnahme ſie Dir bereiten. Nicht ich fuhr ſie langſam und nachdrucklich fort bin

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