Teil eines Werkes 
9. Band, Die Frauen von Neidschütz : Novelle : 2. Band (1832)
Entstehung
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beendigt zu ſehen, aus welcher, aller angewandten Maaßregeln ungeachtet, viele und unerfreuliche Gerüchte entſprangen, und die das Gedächtniß ſeines Bruders verunglimpfte, trotz aller Mühe, die man angewendet, dieſen als das willenloſe Opfer hölliſcher Kräfte darzuſtellen; er wünſchte auch, der Nothwendigkeit überhoben zu ſein, dies Ende durch Spruch der Gerechtigkeit herbeizufüh⸗ ren, der hier freilich nicht auf ein ſchuldlos Haupt gefallen wäre, und hoffte, die Zeit werde ein Auskunftmittel darbieten.

Seine Hoffnung ward erfüllt; man fand ei⸗ nes Morgens die Frau von Neidſchütz entſeelt cuf ihrem Lager, und neben demſelben jenes Fläſh⸗ lein, Eſtevaniens Abſchiedgeſchenk.

Am nämlichen Tage ließ der Kurfürſt das ſchon gefällte Urtheil bekannt machen, weches der, die PWon vor einem höhern Richterſtuhle ſtand, zuerkannte, ſie ſolle geſchleift, darauf ge⸗ hängt, und ihr Leib ohne Begräbniß geliſſen werden.

Vergeblich drangen die drei Kurfürſtinnen in Friedrich Auguſt, auch an dem Leichnam dieſe Strafe vollziehen zu laſſen; er verwarf ihr An⸗ liegen mit der Erklärung, er wolle ſein Regen⸗ tenamt nicht mit gegenwärtig unnützer Beſchim⸗ pfung eines angeſehenen adlichen Hauſes begin⸗