Teil eines Werkes 
9. Band, Die Frauen von Neidschütz : Novelle : 2. Band (1832)
Entstehung
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höchſt ſtrafwürdig ſei, finde jedoch bedenklich, der Gerechtigkeit eine Sache anheim zu ſtellen, bei welcher es noch gänzlich an Beweiſen mangle. Bei Aufſuchung dieſer Beweiſe aber, meinte er, ſtehe zu befürchten, man werde auf manches ſto⸗ ßen, was bei Bekanntwerdung halb oder gar nicht verſtanden vom Publikum, unter demſelben nach⸗ theiliges Gerede veranlaſſen, zum mindeſten aber das Andenken ſeines Herrn Bruders höchſtſelig verunglimpfen werde.

Die Frau Mutter hatte dieſe Rede, in wel⸗ cher der Kurfürſt klüglich überging, was ihn per⸗ ſönlich einem öffentlichen Verfahren abgeneigt machte, mit Kopfſchütteln angehört; als er aber hinzufügte, er halte für wohlgethan, der Frau von Neidſchütz Zeit zur Flucht zu laſſen, die ſie wohl ungeſäumt ergreifen werde, und ihre Ent⸗ fernung ſcheine ihm das Wünſchenswertheſte unter ſolchen Umſtänden, da ereiferte ſich Frau Anna ſehr.

Das übel von ſich abzuthun, bedeutete ſie ihn, ſei die Schuldigkeit eines jeden Chriſten, vor⸗ nehmlich aber eines Regenten; es ſtehe geſchrie⸗ ben: ſo dich dein Auge ärgert, ſo reiße es aus; die alte Neidſchütz ſei jedoch weder ihr Augapfel noch ſeiner, vielmehr ein Dorn in demſelben, und