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annoch ein junger Herr und bis dato wenig von ſelbigem zu ſagen. Auch weiß der Herr Obriſt⸗ wachtmeiſter, wie an Höfen gemeiniglich die Da- mes eine conſiderable Rolle ſpielen, und gleicher⸗ maßen, wie es für eine Dame das Allerannehm⸗ lichſte iſt, über eine andere ein Judicium zu ver⸗ nehmen. Wolle Derſelbe uns denn das Seinige über die Prinzeſſinn Tochter nicht vorenthalten. Ihro Durchlauchtigkeit iſt ohnſtreitig mit Schön⸗ heit und Anmuthigkeit abſonderlich begabt?—
Des Freiherrn von Seckendorf diplomatiſches Gewiſſen verſtattete ihm, um der Fragenden zu Sinne zu reden, eine kleine Felonie an der Toch⸗ ter ſeines Landesvaters, und er entgegnete, die Achſel zuckend: Gar viel muß einer hochfürſt⸗ lichen Dame an Reizen des Leibes mangeln, da⸗ mit man ſelbige als abandonniret betrachte von der Puissance, welche ſolche dem ſchönen Ge⸗ ſchlechte verleihen; indeß mag, meiner geringen Opinion nach, Ihrer Durchlauchtigkeit kein ab⸗ ſonderlich Recht zu größererPrétention zukommen.—
Die Matrone verbarg unter einem bedauern⸗ den Kopfſchütteln„die Zufriedenheit, welche die⸗ ſer Beſcheid in ihr erregte, und ſetzte ihr Verhör mit den gar milden Worten fort: Obſchon un⸗


