93
genauer Bewachung fehlen laſſen, und dieſe noch weniger verſaͤumt, ſeitdem ſie eines Andern von ihr uͤberzeugt worden. Wohl lebte die Einge⸗ kerkerte in tiefer Einſamkeit und verſpuͤrte wenig von den Masßregeln, welche die Vorſicht der Obrigkeit in Betreff auf ſie genommen, ſelten ließ ſich ein Handlanger derſelben in ihrem Ge⸗ wahrſam ſehen; aber der lange Gang, an deſ⸗ ſen Ende dieſer ſich befand, war auf beiden Seiten von einer klafterdicken Mauer begrenzt ohne Unterbrechung bis an die eiſerne, dreifach verriegelte Pforte, welche in eine Wachtſtube fuͤhrte. Die Fenſteroͤffnung nach dem Kirchhofe hinaus lag hoch uͤber demſelben, ſie war zu klein, um das Durchſchluͤpfen Andern zu geſtatten, als koͤrperloſen Geſpenſtern, und verwahrt durch ein zwiefaches Gitter. Der an Bequemlichkeit gewoͤhnten, weichlich und im engen Kreiſe buͤr⸗ gerlichen Waltens erzogenen Frau, deren Geiſt nur gewohnt war, die Schranken des Gewoͤhn⸗ lichen zu durchbrechen, fehlte die Koͤrperkraft, die Ausdauer und Geſchicklichkeit eines Trenk und Benvenuto Cellini. Fruͤher, als ihr noch Hoff⸗ nung geblieben und Freunde, verſchmaͤhte ſie es, durch ein Wagniß den Zweck zu erreichen, den


