22
Wirklichkeit durchdringlich, haͤtten ſie ſie nur um⸗ huͤpft, Irrwiſchen gleich, um ſie in das Moor zu locken, und dann zu verlaſſen, ſo war ihr Da⸗ ſeyn doch nicht ganz ſpurlos verſchwunden, der raͤthſelhafte Ausgang jener Begebenheit deutete auf ein Geheimniß, und das Schwert der ir⸗ diſchen Gerechtigkeit wandte ſich ab von dem willenloſen Werkzeug hoͤherer Gewalten, von dem Opfer hoͤlliſcher Argliſt, die laͤngſt ſchon geiſt⸗ verwirrend ihrem Thun gebot.
Mit kuͤhler Beſonnenheit erwog ſie den Vor⸗ theil, der ihr aus ſolchen Umſtaͤnden erwachſe⸗ und wartete ungeduldig deſſen, der ſein wahr⸗ nehmen ſollte, ihres rechtlichen Beiſtands.
Eine Woche war wiederum vergangen ſeit Beatens Erſcheinung im Gerichtsſaal, und der Sonntag herangekommen und verſtrichen zum großen Theil. Die Gefangene, ſeit geraumer Zeit Urſulens Beiſtand entbehrend und ent⸗ bloͤßt von allen Huͤlfsmitteln, welche die Kunſt ehemals ihrer Gefallſucht darbot, hatte mit lang⸗ ſamer, widerwilliger Hand das undankbare Ge⸗ ſchaͤft des Ankleidens vollendet und ein Blick in die kleine Spiegelſcherbe des Kerkergemachs troͤſtete ſie uͤber die unfreiwillige Einſamkeit,


